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APS-C - Vollformat - Mittelformat?

Eine alte Diskussion!

In vielen Internetforen zum Thema Fotografie finden sich Diskussionen zum Thema Vollformat- oder APS-C-Sensor. Es werden Vor- und Nachteile beider Sensorgrößen gegenübergestellt, es fallen Begriffe wie "Vollformat-Look" und "Freistellungspotential", aber auch Gewicht und Größe der Gehäuse und Objektive. Dabei ist den meisten Diskussionen eines gemeinsam: Sie führen zu keinem Ergebnis! Um es vorweg zu nehmen, es gibt nicht DAS bessere Sensorformat. Jeder Vorteil wird auch durch einen Nachteil an anderer Stelle erkauft, so dass jeder Hobby- oder Berufsfotograf für sich entscheiden muß, welche Kriterien für ihn wichtig sind.

Wer jetzt denkt, diese Diskussion sei neu, irrt!
Bereits in der Zeitschrift "Phototechnik" von 1933, Heft 5, ist ein Artikel zu diesem Thema zu finden. Natürlich handelt dieser Artikel nicht von Sensorgrößen, sondern von den Auswirkungen der Größe des analogen Filmmaterials und der daraus resultierenden unterschiedlichen Kameragrößen.




"Die Ehrenrettung der Ikonta"

Der Verfasser F. Michel beschreibt darin folgendes:
Herr Emil besitzt als "echter" Amateur eine Klappkamera mit dem Filmformat 9x12cm. Neben etlichem Zubehör nennt er auch ein Stativ und das obligatorische Einstelltuch sein eigen.
Der Verfasser dagegen besitzt "nur" eine kleine Ikonta für das 3x4cm Filmformat und wird von Herrn Emil der "Flatterhaftigkeit" bezichtigt. Bei den Fachsimpeleien zwischen den Beiden geht es natürlich hauptsächlich um den Punkt Kleinkamera (Ikonta) versus Großkamera (Klappkamera). Na, kommt das irgendwie bekannt vor?

Und so kommt es, daß sich die Fotoamateure zu einem gemeinsamen Fotoausflug in einer engen Gasse in der Stadt Siegen mit einem Kirchturm als Motiv verabreden. Während Herr Emil noch seine Klappkamera zusammenbastelt (Zitat!), kann der Verfasser mit seiner Ikonta bereits "frei Hand" fotografieren. Das dabei entstandene Bild bedarf allerdings noch einer Korrektur der stürzenden Linien in der Dunkelkammer.

Die beiden Fotoamateure gelangen so zu der Erkenntnis, dass man sowohl mit der Klappkamera, als auch mit der Ikonta ungeachtet der Größe der Kamera und des Filmformates mehr oder weniger vollkommene Fotos machen kann!

Auch in späteren Jahren wurden Diskussionen über die Vor- und Nachteile verschiedener Filmformate geführt. Da gab es den Kleinbildfilm, den Pocketfilm und später den APS-C-Film, um nur einige zu nennen. Jedes Filmformat hatte seine Fürsprecher.

Was ist nun meine Meinung?

Es gibt, wie schon geschrieben, nicht DAS bessere Sensorformat. Klar, Vollformat bietet ein größeres Freistellungspotential, ist bei moderaten Pixelzahlen auch rauschärmer und liefert dann bei hohen ISO-Zahlen noch bessere Bildergebnisse als APS-C oder gar mFT. Vollformatsensoren mit vielen Pixeln (z.B. Sony a7R IV mit 61MP) dagegen erlauben die Darstellung extrem feiner Strukturen und Erzeugung hochwertiger großer Prints.

Aber brauche ich das?

Ich nannte im Laufe der Zeit 3 Vollformat-DSLR (Nikon D600, D610 und D750) mein Eigen. Natürlich mit einem anständigen Objektivpark, so wie es sich gehört. Die Bilder waren technisch gesehen einwandfrei, jedoch fehlte mir irgendwie der Spaß am fotografieren mit den Kameras. Und wenn ich an das Gewicht der Ausrüstung und die Abmessungen der Fototasche denke, habe ich die für mich richtige Entscheidung getroffen: Ich habe mein Vollformat-Equipment verkauft und mir eine Fuji-APS-C DSLM gekauft. Was für eine Freude! Die Fuji mit dem 35mm oder 23mm f2 ist klein, leicht, sehr robust und hat eine Haptik, die einer guten alten Nikon F3 in nichts nachsteht! Mir macht es einfach mordsmäßig Spaß, mit dem Fuji-System zu arbeiten. Dadurch ist die "kleine" Fuji-APS-C-Kamera für mich die bessere Wahl. Natürlich hat auch dieses System Nachteile, die allerdings für meine Art des Fotografierens nicht besonders relevant sind.

Ich möchte das Ganze noch etwas auf die Spitze treiben: Meine Frau fotografiert auch gerne. Sie achtet sehr auf Bildkomposition und Bildaussage. Aber sie fotografiert fast ausschließlich mit dem Smartphone, aktuell mit dem Huawei P30pro! Natürlich erkennt man beim hereinzoomen in die Bilder schnell, dass die Elektronik stark in die Bilder eingegriffen hat, aber was soll´s?
In unseren Fotobüchern befinden sich neben meinen Bildern auch immer Smartphonebilder meiner Frau. Bei den üblichen Buchgrößen bis 30x30cm wird man meist aus technischer Sicht nur schwer erkennen, ob es sich um ein APS-C-Bild oder ein Bild des Smartphone-Minisensors handelt, sofern das Bild nicht gerade die komplette Seite füllt. Für sie ist also ein Smartphone mit dem darin verbauten kleinen Sensor genau die richtige Wahl.

Etwas Off-Topic: Was wünsche ich mir für die Zukunft?

Nun ja, ich habe einen Traum!
Darin kommt immer wieder eine kleine, leichte Fuji X-T4 mit einem Vollformatsensor, dem Augen-AF der Canon R5 und dem typischen Fuji-Bedienkonzept vor. Und irgendwie hat Fuji es geschafft, die Gesetze der Physik zu überlisten und neue kleine, leichte, wetterfeste Fujinons für das Vollformat entwickelt. Diese sind nicht größer als die APS-C-Fujinons.
Ok, das ist (noch) ein Traum...

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Letzte Aktualisierung 10/2020